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Wollen Sie sich über polnisches Theater informieren? Interessieren Sie sich für Romane polnischer Autorinnen und Autoren? Oder vielleicht umgekehrt: Möchten Sie wissen, was man in Polen über das deutsche Theater erfährt? Interessiert Sie welche zeitgenössischen deutschen Dramatikerinnen und Dramatiker ins Polnische übersetzt werden? Auf diesen Seiten finden Sie einige Informationen, die Texte schrieb Iwona Uberman, viele von ihnen wurden zuerst in verschiedenen deutschen oder polnischen Medien veröffentlicht.

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Roman Vishniacs Berlin - Eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin Für an anderen Kulturen und interkulturellem Austausch interessierte Menschen ist Berlin ein guter Ort. Wie in keiner anderen deutschen Stadt findet man hier eine unglaubliche Vielfalt an Kulturen. Natürlich auch das in der Nähe liegende Osteuropäische ist in Berlin besonders stark vertreten. Ungarn, Polen, Russen, Tschechen und andere Slawen fanden schon vor Langem den Weg in die Stadt und machten sie häufig gern zu ihrer neuen Bleibe.

 

Eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung der osteuropäischen Traditionen in der Stadt - Essgewohnheiten, Lebensart und Kunst - spielten auch immer jüdische Einwanderer. Vor den Pogromen in Osten Ende des 19. Jahrhunderts oder nach den russischen Revolutionen 1905 und 1917 fliehend, kamen sie in mehreren Wellen in die deutsche Metropole und bereicherten sie um mitgebrachte Ideen und Bräuche.

 

Einiges erfährt man darüber in der Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin in der Abteilung „Ost und West“. Hier ist u. a. eins der Highlights der Ausstellung zu finden, ein Bild des aus Lodz (Polen) stammenden bedeutenden Malers Jankel Adler „Schabbat“.

 

Jetzt wird die Anwesenheit des Osteuropäischen, insbesondere des Russischen in Berlin sowie die Rolle der Osteinwanderer beim Festhalten und Dokumentieren früherer Zeiten in der deutschen Hauptstadt, in einer Sonderausstellung des Jüdischen Museums „Roman Vishniacs Berlin“ (vom 4.11 bis 5.2.2006) thematisiert.

 

Roman Vishniac, geboren 1897 beim St. Petersburg, wuchs in Moskau auf, wo er Biologie und Medizin studierte. Zusammen mit seinen Eltern kam er 1920 nach Berlin und wurde bis 1938 in der Stadt ansässig. Vom Beruf Biologe beschäftigte sich Vishniac vor allem mit naturwissenschaftlicher Fotografie und wurde auf diesem Gebiet zum Pionier der Mikrofotografie. Seine Pflanzen- und Insektenaufnahmen sind vielen Naturwissenschaftlern gut bekannt. Da der Fotograf seine Kamera oft bei sich hatte, machte er gelegentlich auch andere Schnappschüsse, jedoch ohne Hintergedanken.

 

In den 30er Jahren bekam Vishniac von der jüdischen Organisation Jewish Joint Distribution Committee den Auftrag, jüdisches Leben in Schtetln in Osten zu dokumentieren. Zwischen 1935-38 unternahm er zahlreiche Reisen nach Polen, Litauen, Ungarn, Karpatenrussland und in die Tschechoslowakei. Die mitgebrachten Fotos machten ihn kurz vor dem zweiten Weltkrieg in jüdischen Kreisen bekannt. Berühmt machten sie ihn erst viele Jahre später.

 

Die Aufnahmen wurden in einem Fotoband „Verschwundene Welten“ veröffentlicht. Inzwischen war in der breiten Öffentlichkeit das Interesse an jüdischer Kultur und Vergangenheit erwacht.

 

Während seines 18-jährigen Aufenthaltes in Berlin machte Vishniac einige Stadtaufnahmen. Seine Schnappschüsse (oft am Ende seiner Pflanzenfilme) hielten das Straßenbild der 20er und 30er Jahre fest. Vishniacs Perspektive ist oft privat. Porträts von Freunden, jüdische Einrichtungen aber auch Berliner Typen wie Schornsteinfeger oder Bierkutscher vermitteln einiges über das Leben der Einwanderer und Alteingesessenen in der Stadt. Die politische Realität der Zeit schwingt manchmal mit.

 

Die etwa 100 Fotos, die in der Ausstellung des Jüdischen Museums Berlin zum ersten Mal öffentlich gezeigt werden, wurden im Nachlass des 1990 in den USA verstorbenen Fotografen gefunden. Wer also jüdische Spuren in der Stadt - Centrum Judaicum-Synagoge in der Oranienburger Straße, die jüdische Schule oder den früheren jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße - nicht nur im heutigen Stadtbild, sondern auch im geschichtlichen Kontext als Teil der alten Stadt betrachtet haben will, wird an den Abbildungen in der Vishniacs Ausstellung bestimmt viel Freude haben.

 

 

Iwona Uberman

Erschienen in MOE-Kultur-Newsletter, Ausgabe 25

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