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Fünf Millionen Polen und acht Millionen Russen können nicht irren - polnische Krimiautorin Joanna Chmielewska

„2 Millionen Norwegen können nicht irren!“ – lautete die Werbung für die nette und leichte norwegische Filmkomödie „Elling“, die bestimmt viele Kinogänger in Deutschland noch gut in Erinnerung haben. Wenn man dieselbe Werbung auf die Bücher polnischer Autorin Joanna Chmielewska übertragen würde, würde sie ohne Zweifel überzeugend klingen: „5 Millionen Polen und 8 Millionen Russen können nicht irren!“. Auf so viele begeisterte Leser kann  die in beiden Ländern beliebte Autorin inzwischen zurückblicken und manche von ihnen sind mit Chmielewska seit 40 Jahren durch dünn und dick gegangen.

Joanna Chmielewska schreibt schwarze Komödien mit Mord und Verbrechen. Oder sollte man sie lieber einfach „lustige Kriminalgeschichten“ nennen? Mit viel Witz, Ironie und dank guter Beobachtung der alltäglichen „qui pro quo“- Situationen beschreibt die Autorin den polnischen Alltag und gibt ihm durch einen Kriminalplot zusätzliche Spannung. Ihr letztes Buch „Die Mordsstimmung“ erscheint in Deutschland im Juli, und wird vielleicht auch hier viele neue Leser für Chmielewska gewinnen.

Die Hauptfigur des Romans ist eine sympathische Frau, Iza Brant, Warschauerin, von Beruf Korrektorin, allein erziehende Mutter zweier Jugendlicher. Iza schickt bereits ihre Kinder in die Ferien. Aber nicht, um endlich eine Weile Ruhe zu Hause zu haben. Sie erwartet demnächst einen Familienbesuch aus Australien. Und da sie weiß, daß  hier ihre Erbschaft auf dem Spiel steht, ist sie bereit, die entfernteVerwandtschaft- die Schwester ihrer Oma mütterlicherseits, die Tante, Tochter von Omas Schwester mit ihrem Mann und den Onkel-Paten mit seiner Frau - zu empfangen. Sie ist einverstanden, sie einen Monat lang in ihrer kleinen Wohnung in Warschau zu beherbergen, zu bekochen, sie durch Polen zu fahren und ihre Wünsche, wie abstrus auch immer, zu erfüllen. Sie muß sich der Erbschaft würdig zeigen und  nimmt sich fest vor, alles gut durchzustehen. Nicht für sich, für ihre Kinder. Iza will deren Zukunft gesichert sehen.

Die Geschichte ist gut konstruiert, phantasievoll und unterhaltsam. Alle denkbaren Schwierigkeiten tauchen auf, alles läuft ständig schief und die australische Verwandtschaft ist mit allen möglichen Fehlern ausgestattet, die man sich nur vorstellen kann. Chmielewska treibt die Situationen genüßlich auf die Spitze. „Pech ist Pech“ – verkündet uns die Autorin und  begründet so die Anhäufung der Katastrophen. Als Iza Brant plötzlich des Mordes an ihrem Ex-Freund verdächtigt wird und Besuch von der Polizei bekommt, will die Verwandtschaft  alles genau wissen. Ab diesem Moment vermischen sich die Mordgeschichte mit dem Besuch der Familie, die Iza nicht aus den Augen läßt.

Wir werden in die Arbeitsmethoden der polnischen Kriminalpolizei eingeweiht,  in die Welt der Taximafia, das Korruptionsnetz der Neureichen und hohen Beamten, auch in die alten Machenschaften zu sozialistischen Zeiten. All das geschieht nur oberflächlich, es sind keine tiefgehenden Enthüllungen zu finden und es wäre auch falsch, dies von der Autorin zu erwarten. Sie bleibt bei Iza Brant, beweist, daß „Humor hilft den Alltag durchzustehen, egal wie verrückt er auf einmal ist“, läßt alles gut enden und ihre Heldin auf ihre Kosten kommen.

Wußte man das nicht schon von der ersten Seite an? Wenn man ehrlich sein soll: „Ja“. Aber das macht nichts. Man amüsiert sich trotzdem köstlich  und darin liegt das Wunderbare an Chmielewska. Und schließlich,wer mag keine happy ends? Vor allem im Urlaub. Bei Sonne wie bei Regen. Und wer lacht nicht gern? Chmielewskas leichte Unterhaltungskrimis sind eine wunderbare Sommerlektüre.

Iwona Uberman

Erschienen in MOE-Kultur-Newsletter, Ausgabe 21/22

Joanna Chmielewska „Mordsstimmung“ , blanvalet Verlag. Erscheint im Juli 2005

 
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