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"Gott trägt einen Trainingsanzug" von Piotr Sender - Fragment

Übersetzung aus dem Polnischen von Iwona Uberman

Ein Trainingsanzug ist auch ein Mensch. Er hat Bedürfnisse, Freunde, Vergangenheit und – vor allem – Probleme. Überwiegend fremde. Er bleibt er selbst, sogar in Schuhen getragen zum Anzug.

Ich halte auf einem Bürgersteig an und hole eine Fluppe heraus. Ich rücke eine silberne Kette auf der Brust zurecht, hole sie aus dem T-Shirt raus, damit sie besser sichtbar wird. Ich ziehe den Trainingsanzug gerade, weil er meine Eier drückt. Ich strecke mich, richte meinen Hals auf, zünde die Zigarette an und gehe geradeaus. Um mich herum stehen Plattenbauten. Sie sind riesig und hässlich. Sind grau, mit missratenen Graffiti und Schriftzügen von Kids bemalt. Ich fühle mich, als ob ich in den Film „Liebling, ich verkleinerte Kinder“ geraten wäre. Es bumste mich ein Laser und ich wurde zu einem kleinen Menschlein, das jetzt zwischen Lego-Steinen laviert. Weil es solch riesengroße Bauklötze sind, die sich vor mir ausstrecken. Ich schaue auf eine verblichene Wand, von der Putz abfällt. „Ficke Arka, ficke sie!“ verkündet eine stolze, blaue Schrift. Daneben, mit kleineren Buchstaben wird ergänzt: „Darek ist ein Pimmel, er hat Eier wie ein Schimmel!“ und noch weiter steht eine Liebeserklärung: „Love Schwan, ich liebe einen Stier und heirate ein Murmeltier“. Ein Schund jagt den nächsten. Ich schaue mich um, sehe aber keinen. Die Jungs sind wohl in einem Kabuff.

Erschienen auf Polnisch: Wydawnictwo Replika

 
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